Quendel als traditionelles Wildkraut
Kräuter, die vor der Haustür oder im eigenen Garten wachsen, sind schon seit jeher wertvolle Helfer für den Erhalt unserer Gesundheit. Manche behaupten sogar, in deinem Garten wächst, was du gerade zur Unterstützung deiner Gesundheit und deines Wohlbefindens brauchst. Diese Pflanzen sind manchmal unscheinbares, aber hartnäckiges Unkraut, oder sie erwecken mit ihrer bunten Blütenpracht unsere Aufmerksamkeit. Ein Beispiel für zweiteres ist der Quendel, der auch als Thymus serpyllum, als wilder Thymian, Feldthymian, Sandthymian oder Feldkümmel bekannt ist.
Quendel bereichert schon seit Jahrhunderten die Gärten hierzulande und ist aus der abendländischen Kultur und Pflanzenheilkunde nicht wegzudenken. Er wächst bevorzugt auf mageren Böden und ist durch seine niedrige Wuchshöhe als Bodendecker und in Steingärten eine beliebte Polsterpflanze. Seine reiche Blüte wird von Juli bis September von Bienen umschwärmt. Die Art der Verwendung des Quendels ist vielfältig. Er entfaltet seine Kräuterkraft bei innerlicher Anwendung genauso wie bei äußerlicher Anwendung.
Liest man bei Hildegard von Bingen nach, ist Quendel eines der wichtigsten Kräuter neben Galgant, Bertram und Fenchel. Sie empfiehlt in ihrem Hauptwerk Physica die innere Anwendung nicht nur zur Reinigung von Hirn und Lunge, sondern auch als Stimmungsaufheller bei Schwermut und Niedergeschlagenheit.
Duft, Tradition und Pflanzenkraft
In Räuchermitteln ist er ein beliebter Inhaltsstoff mit reinigender, schützender und klärender Wirkung. Das ist schon im antiken Griechenland bekannt. Die Ägypter nützen ihn bei ihren Einbalsamierungsritualen und die alten Römer schätzen ihn als aromatischen Badezusatz für mehr Kraft und Vitalität.
Die Inhaltsstoffe – Terpene, Gerb- und Bitterstoffe und Saponine – machen dieses Kraut so wertvoll für uns. Quendel gehört zur Familie der Lippenblütler und zu den Thymianen. Er ist der milde Verwandte des Echten Thymians und eignet sich daher auch besonders gut für die Unterstützung von Kindern. Aus seinem blühenden Kraut wird das ätherische Quendelöl (Oleum Serphyllii) gewonnen.
Für sein charakteristisch würziges Aroma ist das Terpen Carvacrol verantwortlich. Das kennen wir auch vom Oregano, Bohnenkraut und Majoran. Das ebenso enthaltene Thymol ist ein natürliches Desinfektionsmittel und wirkt gegen Keime, Bakterien und Pilze.
Sirup, Hautpflege und würziger Duft
Die Gerb- und Bitterstoffe regulieren die Verdauung und beruhigen die Schleimhäute der Atemwege und des Verdauungsapparates. Sie unterstützen die Aufgaben von Leber und Gallenblase und damit die Verdauung, das Immunsystem und die Durchblutung. Die blutreinigende und entgiftende Arbeit der Nieren wird angeregt und so werden Schadstoffe abtransportiert, bevor sie sich im Körper ablagern können.
Ein zusätzlicher Bonuspunkt ist, dass die Einnahme von Gerb- und Bitterstoffen den allzu großen Gusto auf Süßes einbremst. Die enthaltenen Saponine, auch Schleimstoffe genannt, legen sich wie ein Schutzfilm auf die Schleimhäute der Atemwege und des Verdauungsapparates und wirken dort reizmildernd und einhüllend.
Aus dieser Vielfalt lässt sich die Wirkkraft des Quendels gut verstehen. Er lockert die Stimmung auf und macht den Kopf klar. Schmerzen und Entzündungen können rascher abklingen, das Entstehen von unangenehmen Verdauungsgasen wird reduziert und die Atmung wird wieder frei. Das alles trägt dazu bei, dass sich der allgemeine Gemütszustand stabilisiert und wir nervenstark und allgemein gekräftigt gut durchs Jahr kommen.
Breit gefächert sind die Möglichkeiten der Verabreichung: als Sirup und als Kräutertee für den innerlichen Einsatz, als Heilsalbe zum Auftragen auf die Haut und als Tropfen oder Spray.
Für strapazierte Haut und mediterrane Gerichte
Sirupe wiederum werden schon lange zum Ausgleich der Körpersäfte eingesetzt. Sie finden noch heute Anwendung, wenn die Atemwege oder die Verdauung Hilfe brauchen.
Besonders bei Kindern oder bei sehr empfindlichen Menschen sind sie sehr beliebt. Der Quendel-Sirup ist eine wässrige, süße Zubereitung mit viskoser, zähflüssiger Konsistenz zum Einnehmen. Darin verarbeitet sind sorgfältig ausgewählte Kräuterextrakte.
Der Zucker beruhigt den Schluckapparat, sorgt für ausgeglichene Schleimhäute im Rachen und im Verdauungstrakt und kann den vielleicht zu intensiven Geschmack des Quendels überdecken. Für Menschen mit Diabetes eignet sich ein Sirup auf Basis von Zuckerersatzstoffen wie Xylit oder Maltit.
DIY-TIPPS AUS DER KRÄUTERKÜCHE
Quendelessig – selbstgemacht:
Für die Zubereitung von Quendelessig gibt man drei saubere Quendelzweige in 250 ml Apfelessig, verschließt das Gefäß und lässt den Ansatz drei Wochen lang stehen. Danach ist der Quendelessig fertig. Wer keinen eigenen Garten hat, kann sich den Quendel auch auf der Fensterbank oder am Balkon selbst ziehen. Quendel bevorzugt, wie auch Thymian, eine magere, trockene Erde und einen sonnigen Standort. Die Wurzeln brauchen viel Platz, also wollen sie in einem großen Gefäß wachsen. Es gilt, wenig zu gießen und Staunässe zu vermeiden.
Rezept für einen aromatischen Quendel-Tee:
Man nehme 1 Teelöffel sorgsam getrocknetes oder frisch geerntetes Quendelkraut pro Tasse, übergieße es mit kochendem Wasser und lasse den Sud 10 Minuten zugedeckt ziehen. Nach dem Abseihen kann der Quendel Tee pur oder mit etwas Honig gesüßt schluckweise genossen werden. Der Quendel Tee eignet sich auch zum Inhalieren und zum Gurgeln und befreit die Atemwege von lästigen Verschleimungen.
Quellen:
https://arzneipflanzenlexikon.info/quendel.php
https://de.wikipedia.org/wiki/Thymiane/
https://www.kochjournal.at/rezepte/rezept.php?id=7383&rezept=quendel-essig/